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Unsere Beraterin im Gespräch: Janka Zöller

Als Gesellschafterin und Tochter des Gründers von Töchter & Söhne ist Frau Zöller seit über 15 Jahren im Unternehmen tätig – geprägt von eigener Internatserfahrung, einem weltweiten Netzwerk und einem besonderen Gespür für die Bedürfnisse von Familien.

Als Gesellschafterin und Tochter des Gründers von Töchter & Söhne ist Frau Zöller seit über 15 Jahren im Unternehmen tätig – geprägt von eigener Internatserfahrung, einem weltweiten Netzwerk und einem besonderen Gespür für die Bedürfnisse von Familien.

20
August
2026
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Neun Jahre lang war Frau Zöller selbst Internatsschülerin in Salem – eine Erfahrung, die bis heute ihre Arbeit prägt. Nach dem Studium der Kunstgeschichte in Paris und London sammelte sie zunächst Berufserfahrung in internationalen Auktionshäusern, bevor sie in das Familienunternehmen einstieg. 2022 übernahm sie die Gesellschaftsanteile ihres Vaters, des Gründers von Töchter & Söhne. Heute liegt ihr Beratungsschwerpunkt auf Internaten in Deutschland und der Schweiz, doch durch ihre langjährige Tätigkeit kennt sie auch die internationalen Schulmärkte in Großbritannien, Nordamerika und darüber hinaus sehr genau. Als Mutter von drei Kindern bringt sie neben fachlicher Expertise auch ein tiefes Verständnis für die Perspektive von Eltern mit.

Was sie an ihrer Arbeit begeistert und welche Haltung sie leitet, erzählt sie im Interview.

Was hat dich dazu bewegt, in diesen Bereich zu gehen? Gab es einen besonderen Auslöser oder Moment?

Der eigentliche Auslöser liegt wahrscheinlich noch weiter zurück, als ich bewusst erinnere. Mit neun Jahren war ich zum ersten Mal in einer Summer School. Wir waren gerade in eine neue Stadt gezogen, ich hatte an meiner neuen Grundschule noch nicht viele Freunde und als Einzelkind waren die Sommerferien oft ziemlich lang. Ich liebte es schon damals, bei Freundinnen zu übernachten – also sagte ich sofort „ja“, als mein Vater fragte, ob ich eine Summer School besuchen möchte.

Als meine Eltern mich zwei Wochen später wieder abholten, wusste ich: Hier möchte ich unbedingt auch zur Schule gehen. Ein Jahr später startete ich in Salem und habe dort neun Jahre am Internat verbracht. Nach meinem Studium im Ausland und ersten Berufserfahrungen im Kunst- und Auktionsbereich habe ich dann entschieden, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten, der während meiner eigenen Schulzeit die Internatsberatung Töchter & Söhne gegründet hatte. Das Thema Internat begleitet mich also fast mein ganzes Leben – es ist mir in Fleisch und Blut übergegangen und eine absolute Herzensangelegenheit. Ganz ehrlich: Ich könnte mir nichts anderes vorstellen.

Was begeistert dich an deiner Arbeit als Internatsberaterin am meisten?

Mich begeistert, junge Menschen auf ihrem Weg in die Zukunft zu begleiten. Besonders berühren mich die Geschichten von Jugendlichen, die im öffentlichen Schulsystem nicht ihr Potenzial entfalten konnten und oft darunter gelitten haben. Wenn wir für diese Kinder ein forderndes, aber auch förderndes Umfeld finden, in dem sie wieder Freude am Lernen entwickeln und Freundschaften schließen, ist das ein unglaublich erfüllendes Gefühl. Natürlich freue ich mich auch, wenn unsere leistungsstarken Schülerinnen und Schüler an anspruchsvollen Schulen ihr ideales Lernumfeld finden. Doch die größten Verwandlungen sehe ich oft bei den vermeintlichen „schwachen Entlein“, die im passenden Umfeld zu selbstbewussten jungen Menschen aufblühen.

Mit welchen Fragen oder Unsicherheiten kommen Familien aktuell besonders häufig zu dir?

Viele Familien sind derzeit sehr verunsichert über die Entwicklung des öffentlichen Schulsystems in Deutschland: Lehrkräftemangel, Unterrichtsausfälle und eine generelle Überlastung lassen Eltern daran zweifeln, ob die Schulen noch den Bildungsauftrag erfüllen können, den sie sich wünschen. Deshalb suchen viele im privaten Schulsystem nach einer Alternative. Ich möchte nicht sagen, dass alle öffentlichen Schulen ein sinkendes Niveau haben – es gibt hervorragende Ausnahmen. Und insgesamt sind deutsche Schülerinnen und Schüler im internationalen Vergleich nach wie vor sehr gut vorbereitet. Aber die Sorgen der Eltern kann ich zu 100 % nachvollziehen.

Was würdest du jemandem raten, der gerade vor einer Internatsreise steht?

Offen bleiben für alle Optionen – und sich erst nach dem Besuch vor Ort festlegen. Ganz vieles entscheidet sich über das Bauchgefühl. Ich kann mit viel Erfahrung und Feingefühl ein gutes „Match“ vorschlagen, aber am Ende sind es die kleinen Momente, die ausschlaggebend sind: ein Schüler, der begeistert vom Fußballprogramm erzählt, ein Lehrer, der mich gleich beim ersten Gespräch inspiriert, oder eine besondere Atmosphäre auf dem Campus, die spüren lässt, welches Abenteuer dort wartet.

Gibt es ein Motto oder eine Haltung, die dich in deiner Arbeit mit Familien leitet?

Empathie ist für mich der wichtigste Schlüssel. Ich versetze mich in die Familien hinein – auch, weil ich selbst drei Kinder habe und weiß, dass es nichts Wertvolleres gibt. Deshalb verstehe ich, wie groß die Tragweite dieser Entscheidung ist und wie viel Mut es von Eltern und Kindern erfordert. Aber ich bin überzeugt: Es lohnt sich immer.

Worauf legst du besonderen Wert, wenn du mit Eltern und Kindern arbeitest? Was ist dir im Beratungsprozess wichtig?

Mir ist absolute Transparenz wichtig. Ich spreche auch ehrlich über Punkte, die kritisch gesehen werden könnten. Nur wenn Eltern von Anfang an Vertrauen aufbauen können und sich wirklich gesehen, gehört und verstanden fühlen, finden wir gemeinsam die Schule, die ideal zu ihrem Kind passt.

Gibt es ein Buch, einen Podcast oder eine Person, die dich zuletzt inspiriert hat – vielleicht auch im Hinblick auf Bildung oder Persönlichkeitsentwicklung?

Ich lese sehr gerne – allerdings meist Romane, um vom intensiven Alltag abzuschalten. Auch bei Podcasts greife ich eher zu Themen wie Kunst, Tiere oder einfach Humorvollem. Ein Sachbuch, mit dem ich mich zuletzt intensiver beschäftigt habe und das für meine Arbeit durchaus relevant ist, ist Jonathan Haidts Generation Angst. Ich finde es sehr wichtig, dass er eine öffentliche Debatte über die Gefahren des übermäßigen Gebrauchs digitaler Medien angestoßen hat. Viele seiner Beobachtungen decken sich mit meinen praktischen Erfahrungen – und machen mir durchaus Sorgen. Umso mehr schätze ich es, dass Internate so konsequent gegen übermäßigen Medienkonsum vorgehen und Jugendlichen dadurch wertvolle Freiräume eröffnen.

Und zum Schluss: Was wünschst du dir für die Zukunft – für dich, für Familien oder für die Internatslandschaft generell?

Schon seit meiner eigenen Internatszeit wünsche ich mir, dass wir in Deutschland ein anderes Verständnis für Internate entwickeln. Es gibt kaum eine bessere Investition in die Zukunft als Bildung. Ja, Internate sind teuer, und nur wenige Familien können sie sich leisten – aber ähnlich hohe Ausgaben für Autos, Reisen oder Immobilien werden oft weniger kritisch betrachtet. Mir ist wichtig, dass man Internate nicht mit Vorurteilen belegt, sondern erkennt, welchen Wert sie für Kinder, Familien und letztlich auch für die Gesellschaft haben. Gute Internate vermitteln Werte wie Eigenverantwortung, Gemeinschaftssinn und Engagement – Eigenschaften, die junge Menschen ein Leben lang prägen und unsere Gesellschaft bereichern.

Wenn du mal nicht mit Internatsberatung beschäftigt bist – was machst du am liebsten?

Wenn ich zwischen meinen Kindern und meinem Beruf noch freie Zeit habe, dann widme ich sie fast ausschließlich meinen Tieren. Ich habe einen Hund, mit dem ich jeden Tag viel in der Natur unterwegs bin, außerdem eine kleine Truppe Zwergseidenhühner und ein paar gerettete Hasen. Es erfüllt mich sehr, dass meine Kinder mit Tieren aufwachsen – das bringt uns allen Ruhe, Freude und Zufriedenheit.

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